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Altersbedingte Makuladegeneration - Machtkampf um Preise

Eylea Kosten

Quelle: Apotheken Umschau / GesundheitPro.de

Altersbedingte Makuladegeneration: Machtkampf um Preise

Patienten mit feuchter Makuladegeneration hilft ein neues Medikament. Doch die Kassen bezahlen es nur auf Einzelantrag

W&B/Bernhard Huber

Der Durchbruch wurde lange ersehnt. Nun, da er offenbar da ist, droht er den Nutznießern zu entgehen. Denn um den Hoffnungsträger tobt ein erbitterter Kampf zwischen Firmen, Ärzten und Krankenkassen. Schätzungsweise eine halbe Million Menschen in Deutschland leiden an der feuchten altersbedingten Makuladegeneration (AMD) - einer Augenkrankheit, bei der neu wachsende Blutgefäße die Netzhaut überwuchern. Betroffenen droht das Erblinden.

Seit Kurzem sind zwei Medikamente gegen das Leiden zugelassen (siehe Kapitel "Arzneien gegen die Erblindung"). Die Fachwelt bewertet vor allem das Medikament mit dem Wirkstoff Ranibizumab als "Durchbruch": In Studien stoppte es die feuchte AMD bei 90 Prozent der Patienten; bei etlichen verbesserte sich das Sehen sogar wieder.

Doch die Kassen bezahlen beide Neuzugänge bislang nur auf Einzelantrag. Vordergründige Ursache: Den Augenärzten fehlt eine Abrechnungsziffer für die Behandlung. Einrichten müsste sie ein Bewertungsausschuss aus Kassen- und Ärztevertretern. Der kann sich aber nicht einigen.

Nicht ganz billig

Der Fortschritt hat seinen Preis: 1523,36 Euro kostet eine Ampulle Ranibizumab (Stand Dezember 2007). Der Arzt muss sie in den Augapfel injizieren. Jeden Monat, womöglich für ein Jahr, "vielleicht ein Leben lang - wir wissen es noch nicht", erklärt Ausschuss-Mitglied Dr. Uwe Kraffel. Jahreskosten je Patient: rund 18 000 Euro.

Viele Kassen möchten deshalb ein drittes, billigeres Medikament ins Spiel bringen: das nur für die Behandlung von Krebspatienten zugelassene Bevacizumab. Es ähnelt Ranibizumab nicht zufällig: Dieses ist ein Fragment von Bevacizumab - entwickelt mit der Überlegung, dass nur kleinere Moleküle die Netzhaut passieren.

Das hat Augenärzte nicht gehindert, Bevacizumab auch bei AMD-Patienten zu erproben - Fallberichten zufolge mit Erfolg. Zwar ist es ähnlich teuer wie Ranibizumab, bei feuchter AMD aber können Ärzte mit einer Ampulle nicht nur einen, sondern bis zu 250 Patienten behandeln. Mit der Zulassung der beiden anderen Mittel ist der Einsatz eines nicht zugelassenen Medikaments jedoch verboten.

Klage gegen die Kassenverträge

Dennoch schlossen drei Kassen mit Augenärzten in einigen Regionen Nordrhein-Westfalens Verträge zur Abrechnung aller drei Mittel. Barmer-Sprecherin Susanne Rüsberg-Uhrig: "Wir wollen die ärztliche Therapiefreiheit. Und es kann nicht sein, dass ein Konzern für eine Molekülveränderung solche Preise verlangt." Der Hersteller von Ranibizumab klagt gegen die Verträge und verweist auf die hohen Kosten seiner Studien.

Auch viele Ärzte kritisieren die Kassen-Aktion. Sie bemängeln vor allem, dass eine Studie zur Sicherheit und Wirksamkeit von Bevacizumab fehlt. Die herstellende Firma fühlt sich dafür nicht zuständig: "Wir stellen keine Medikamente gegen Augenkrankheiten her", betont Sprecher Hans-Ulrich Jelitto.

Der Produzent von Ranibizumab bietet nun einen Kompromiss an: Er will die Ranibizumab-Jahreskosten für die Kassen bei 315 Millionen Euro deckeln, jede weitere Ampulle wäre gratis. Damit geht der Poker weiter: "In der derzeitigen Fassung für uns nicht akzeptabel", sagt Claudia Widmaier vom Verband der Angestellten-Krankenkassen. Sie geht davon aus, dass die Firma erst im Jahr 2010 solche Umsätze erzielt. Betroffenen bleibt vorerst nur ein Lichtblick: Die Anträge auf Kostenübernahme werden offenbar meist positiv beschieden.

Apotheken Umschau / GesundheitPro; 06.03.2008


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